Bücher

Der Weg zur Erkenntnis der Wahrheit ist ein langer und arbeitsintensiver Entwicklungsprozess. Er verlangt viel Mut, sich selbst und die eigenen Vorstellungen vom Leben schonungslos zu hinterfragen, und Demut, die Erkenntnis der Wahrheit als etwas Großes, Erhabenes und Herrliches anzunehmen.

Das erste Buch von Gerhard Hofweber ist ein akademisches Buch, die Doktorarbeit auf dem Weg durch die Universität. Die Beschäftigung mit Hegel war methodisch und inhaltlich die Voraussetzung für die spätere radikale Erkenntnisarbeit. Es ist ein kluges philosophisches Buch, das die Anforderungen akademischer Qualifikation erfüllt. Die Universität Bamberg hat diesem Werk den Preis der besten Dissertation des Jahres 2006 verliehen.

Das Buch „Das schöne Kind“ ist ein philosophisch-literarisches Werk. In einfühlsamer und ausdrucksvoller Sprache berichtet Gerhard Hofweber vom ‚schönen Kind‘, das sowohl für das göttliche Kind in uns, als auch für das kindlich-reine Göttliche in der Welt steht. „Das schöne Kind“ ist ein Lesebuch, das die Erfahrungen von Philosophie und Offenbarung in der Welt darstellt.

Die „Formen der Versöhnung mit der Vergangenheit“ ist ein Leitfaden, in dem Gerhard Hofweber seine grundlegenden Methoden der Selbsterkenntnis – die Erkenntnisaufstellung und die Organisationsaufstellung – in einen argumentierenden Text fasst. Auf diese Weise wird für jeden Menschen sichtbar, wie von der Versöhnung mit der eigenen biographischen Vergangenheit die Entwicklung zur Selbsterkenntnis und Selbstliebe führt. Dieses Buch kann man als Gebrauchsanweisung und Hilfestellung lesen, wie ich auf den Weg zu meinem Inneren Wesenskern finde.

Das „Philosophische Manifest“ ist die synthetische Zusammenfassung und pointierte Formulierung aller philosophischen Erkenntnis der Wahrheit. Es leitet von der theoretischen Erkenntnis zur praktischen Verwirklichung. Damit überbrückt es die tradierte Kluft zwischen Erkenntnis und Praxis. Die Verbindung zwischen theoretischer und praktischer Philosophie ist die Liebe. Das „Philosophische Manifest“ ist in präzisen und treffenden Worten geschrieben. Es vertritt keine Meinung, sondern manifestiert die objektive Wahrheit.

Das Philosophische Manifest ist zusätzlich mit Erklärungen erschienen. Es wurde ins Englische und ins Italienische übersetzt.

Die Philosophie der psychischen Gesundheit​

Wie psychische Gesundheit verstanden und erreicht werden kannPsychische Krankheiten nehmen zu. ihre Heilung ist sehr komplex und gelingt nicht allzu oft. Einer der Gründe dafür ist, dass nicht begriffen wird, worin psychische Gesundheit überhaupt besteht. Diese können wir nur verstehen, wenn wir ihre philosophische Dimen- sion mit in Betracht ziehen. Erst dann wird deutlich, dass das menschliche Leben und die menschliche Psyche viel tiefer wurzeln, als wir uns dies vorzu- stellen vermögen. Wird dagegen diese Dimension begriffen, ist die Heilung der psychischen Krankheit nicht mehr aufzuhalten​

Die Formen der Versöhnung mit der Vergangenheit Wie wir frei werden für ein erfülltes Leben​

Viele Menschen suchen den Weg zur Versöhnung mit der Vergangenheit.Aber sie finden ihn nicht. Der Grund dafür liegt nicht in ihrem fehlenden Willen, sondern im Mangel an Erkenntnis der verschiedenen Formen der Versöhnung. Jede Form der Versöhnung hat ihre eigenen Gesetze, die wir beachten müssen, wenn wir Versöhnung und damit auch den Weg zu einem erfüllten Leben finden wollen. Der Philosoph Gerhard Hofweber zeigt in diesem Buch die verschieden Formen der Versöhnung auf. Dadurch wird deutlich, wie wichtig die Unterscheidung ist und was wir innerhalb jeder dieser Formen beachten müssen. Maßgebend dafür ist immer der Mensch in seiner tiefsten Dimension. Der Mensch wird als ein metaphysisches Wesen aufgefasst. Nur aus dieser Dimension heraus und aus der Übereinstimmung mit der Wahrheit ist Versöhnung möglich. Wer bereit ist, diesen Weg zu gehen, wird den Frieden finden, nach dem er sich sehnt.

Das schöne Kind

Protagonist des Buches ist ein besonders faszinierender Mensch: Das schöne Kind – eine rätselhafte, scheinbar alters- und geschlechtslose Gestalt von überirdischer Schönheit, über deren Herkunft nichts Näheres bekannt ist, die aber aufgrund ihrer einzigartigen Ausstrahlung – einer seltsamen Mischung aus kindlich anmutender Neugier mit einem Hauch Naivität auf der einen und einer ungewöhnlichen Aura der Weisheit und Erleuchtung auf der anderen Seite – auf jeden Menschen unmittelbar eine starke Faszination ausübt. Der Leser begleitet das schöne Kind auf seiner spannenden philosophischen Reise durch „eine Welt, die der unseren nicht ganz unähnlich ist“. Im Laufe seiner Erlebnisse begegnet das schöne Kind unterschiedlichsten Charakteren, wie etwa einem durch unglückliche Liebe gebrochenen Mädchen, einem denkfaulen Pfarrer, einem weisen Philosophen oder den Sterbenden im Krankenhaus. Durch seine offene, neugierige Art kommt es stets sofort mit ihnen ins Gespräch über die tiefsinnigsten und schwierigsten Lebensfragen, denen sich irgendwann alle Menschen stellen müssen.

Das philosophische Manifest

Das philosophische Manifest möchte die Philosophie wieder als das etablieren, was sie ist: Die Erkenntnis der Prinzipien der Wirklichkeit im Denken. Dieses Werk enthält die Essenz unserer abendländischen Kultur in 14 Paragrafen. Es zeigt die durch und durch vernünftige Ordnung unseres Universums und deren Bedeutung für unser Leben.

Das philosophische Manifest mit Erläuterungen

Das philosophische Manifest möchte die Philosophie wieder als das etablieren, was sie ist: Die Erkenntnis der Prinzipien der Wirklichkeit im Denken. Das Manifest zeigt die durch und durch vernünftige Ordnung unseres Universums und deren Bedeutung für unser Leben.

In diesem Werk werden die 14 Paragrafen gedanklich illustriert und erläutert.

The Philosophical Manifesto

The Philosophical Manifesto was written in order to reestablish philosophy as that which it authentically is: the knowledge of the principles reality as they are known through reasoning.

Philosophy Slam 2014

Was ist Freiheit und wie kann ich sie in meinem eigenen Leben angesichts der Zwänge und Erwartungshaltungen realisieren? Welche Rolle nimmt Liebe in meinem Leben ein? Können wir von denen, die wir als psychisch krank bezeichnen im Umkehrschluss darauf schließen, was es für die seelische Gesundheit bedarf? Welchen Wert hat die Arbeit, wenn sie nur von ökonomischen Zwängen bestimmt ist? Was können wir in der Philosophie erkennen? Und warum entsteht so viel Hässliches?Dies ist nur eine Auswahl der Fragen, welche die Sieger der Philosophy Slams 2014 aus den Städten Augsburg, Bamberg, Chemnitz, Innsbruck und Potsdam behandelt haben und welche sie in diesem ersten Sammelband vereint finden. So unterschiedlich die Personen und Fragestellungen auch sind, so zeigen sie doch alle, wie faszinierend der Prozess des Ringens um die Wahrheit ist.Erkennen ist eine Tätigkeit und dieser Sammelband zeugt davon.

Skeptizismus als "die erste Stuffe zur Philosophie" beim Jenaer Hegel

Hegels Philosophie ist nicht nur unverständlich, sondern unverstehbar. Denn der Verstand ist nur ein Moment des Denkens, das in der Selbstentfaltungdes Begriffes vernichtet, d. i. auf die Vernunft bezogen werden muss. Die Rolle der Negation des Verstandes übernimmt beim Jenaer Hegel nicht die Dialektik (die erst in der Phänomenologie hinreichend entwickelt ist) sondern der Skeptizismus. Hegel greift hierbei im Skeptizismusaufsatz auf den antiken Skeptizismus zurück, der sich von neueren Formen eines solchen dadurch abhebt, dass er das ganze Gebiet des Verstandes vernichtet. Dies kann aber nur so geschehen, dass nicht nur die Inhalte des Verstandes negiert werden, sondern so, dass zugleich die Form des Verstandes überwunden werden muss. Die Einsicht und die Struktur des Verstandesdenkens drückt sich in den jüngeren Tropfender Skeptiker ebenso aus, wie in Hegels Rede von Endlichkeit, Begrenztes, Gegensatz, Entzweiung, Widerspruch, usw.Der Verstand produziert deshalb überall Antinomien, weil seine Grundstruktur selbst aporetisch ist. Die Einsicht in die Ausweglosigkeit der Struktur des Verstandes ist “die erste Stufe der Philosophie”, welche in der Studie nicht nur äußerlich beschrieben, sondern auch betreten werden soll.

Die Philosophen Postille

Die Philosophen Postille ist anlässlich des 50. Geburtstags von Gerhard Hofweber erschienen.

Die Zeitung beinhaltet Artikel von und über ihn.

Sie können uns per Email kontaktieren. Wir senden Ihnen gern eine Zeitung zu.

Leseprobe aus "Die Formen der Versöhnung mit der Vergangenheit"

Philosophie der Versöhnung

Erfülltes Leben

Jeder Mensch will erfüllt und glücklich leben. Aber Wollen allein reicht nicht aus, um dieses Ziel zu erreichen. Man muss sich selbst dazu erst befähigen. Erfülltes Leben muss man nicht nur wollen, sondern auch können. Das ist nicht nur nicht einfach, sondern sehr schwer. Alle wollen es, nur wenige finden es. Von diesen im wahrsten Sinne des Wortes Glücklichen wird es wohl nicht viele geben. Dies widerspricht zwar dem Bild, das der heutige Mensch von sich hat, denn da wir uns an dem äußeren Anschein orientieren, sind wir von einem ständig zur Schau gestellten Scheinglück umgeben. Nun kann freilich jeder für einen Moment und für ein Foto schön und glücklich aussehen. Aber dies sind nur einzelne Momente ohne Substanz. Insgesamt ist in unserer Gesellschaft ein Verlust an Lebensfreude zu bemerken. Das bloße Leben als Leben wird zunehmend als anstrengend empfunden. Für den glücklichen Menschen dagegen ist das Leben leicht und er lebt es heiter und frei von Furcht. Es ist zwar verständlich, wenn in einer Gesellschaft, in der Glücks- und Erlebniszwang herrscht, viele versuchen wenigstens den Anschein des Glücklichseins zu erzeugen – für die tatsächliche Haltung zum Leben ist dies aber ohne Bedeutung. Was wir sehen, ist ja nur die Oberfläche. Der innere Kern drückt sich zwar auch in dieser aus, aber er bleibt doch im Inneren verborgen. Dieser innere Kern ist der Ort, an dem sich entscheidet, ob wir glücklich sind oder nicht. 
Dies entspricht auch der Struktur unseres Gefühlslebens. Gefühle lassen sich nicht nur durch ihren Inhalt und ihre Intensität unterscheiden, sondern auch durch ihre Tiefendimension. Max Scheler hat dies die „Schichtung des emotionalen Lebens“ genannt. Unser Gefühlsleben ist in Schichten aufgebaut. Wir können uns das vorstel- len wie den Aufbau der Erdkugel. Auch dort gibt es eine Oberfläche und darunter verschiedene Schichten, Ge- steinsschichten bis hin zum flüssigen Kern. Der innere Aufbau der Erdkugel wird in vier Schichten unterschie- den, die vor allem durch ihre unterschiedliche Dichte charakterisiert werden. Zufälligerweise unterscheidet Scheler den Aufbau unserer Gefühlsschichten auch vierfach und Dichte spielt dabei auch eine gewisse Rol- le. Dies ist bei unseren Gefühlen so gemeint, dass die Dichte der Gefühle auch der Tiefe entspricht, welche wir in der jeweiligen Gefühlsschicht erleben. Die bei- den äußeren Schichten sind auf den Leib bezogen. Die äußerste Schicht, die sinnlichen Gefühle, beziehen sich auf eine mehr oder weniger bestimmte Stelle am Leib. Dies erfahren wir z. B. beim Zahnschmerz, der auf den Kopf ausstrahlen kann, nicht aber auf die Beine. Oder beim Genuss eines schönen Essens, den wir leiblich erfahren. Diese Gefühle sind allein auf das Angenehme und Unangenehme bezogen. Sinnliche Gefühle sind herstellbar. Wenn ich etwas Bestimmtes, das ich mag, einen bestimmten Wein trinke, der mir etwas bedeutet, dann erzeuge ich damit angenehme Gefühle. Dasselbe geschieht umgekehrt mit unangenehmen Gefühlen. Das ist auch der Grund dafür, warum sich alles Produzie- ren von angenehmen oder unangenehmen Gefühlen auf diese Gefühlsebene bezieht. Wichtig ist auch, dass auf dieser Ebene Ablenkung hilft. Wenn ich beispielsweise Zahnschmerzen habe, dann hilft es mir, einen Film zu gucken, ein Buch zu lesen, kurz, mich abzulenken, um den Schmerz für eine bestimmte Zeit zu vergessen. Da- nach hat er möglicherweise nachgelassen. In aller Regel sind diese Gefühle auch für mich bestimmbar, denn sie drängen sich auf.
Schon bei der nächsten Ebene ist es anders. Insgesamt ist es so, dass das, was für die eine Ebene gilt, für die andere nicht gilt oder sogar konträr dazu ist. Die zweite Ebene ist die des Leibes insgesamt. Das sind Gefühle, die sich auf den ganzen Leib beziehen und auch leiblich erfahren werden. Das sind z. B. Gefühle wie Müdigkeit oder Auf- gedrehtsein. Diese Gefühle erstrecken sich auf den gan- zen Leib. Gleichzeitig bestehen sie parallel zu den sinn- lichen Gefühlen. Innerhalb einer Ebene neutralisieren sich die Gefühle. Zwischen den Ebenen aber nicht. So kann ich müde sein und trotzdem ein gutes Glas Wein genießen. Scheler stellt dies so dar, dass sich die leibli- che Ebene am besten von selbst organisiert und nicht groß beachtet werden muss. Damit widerspricht er unse- rem Alltag, in welchem gerade die leiblichen Gefühle sehr ernst genommen und ständig besprochen werden. Zu den leiblichen Gefühlen gehört übrigens auch die Ernährung, was heute ein riesiges Thema geworden ist. Bei der Penetranz und Ernsthaftigkeit, mit welcher das Thema Ernährung heute zum Problem geworden ist, muss man sich wundern, wie die Menschheit bislang z.B. ohne laktosefreie Produkte überhaupt überleben konnte. Das sind die beiden äußeren Schichten, die sich auf den Leib beziehen. Die beiden nächsten Schichten beziehen sich dagegen auf das Ich und auf das Personsein des Menschen. Diese beiden Schichten machen das Mensch- sein in gewisser Weise kompliziert. Aber dies liegt eben daran, dass es nicht leicht ist, als Mensch glücklich zu sein, weil Menschsein eine so tiefe Bedeutung hat.
Die nächste Schicht nennt Scheler die Ich-Gefühle. Damit will er ausdrücken, dass diese Gefühlsebene eine größere Nähe zum Ich und zu unserer Individualität hat. Hier haben wir die Ebene der seelischen und emotionalen Gefühle erreicht. Diese Ebene ist sehr verletzlich und fast bei uns allen haben auf dieser Ebene Verletzungen statt- gefunden. Dazu zählen Trauer, Schmerz, Verzweiflung ebenso wie Lebensfreude, Bejahung, Heiterkeit. Ganz anders als bei den sinnlichen Gefühlen lässt sich diese Ebene nicht herstellen. Sie entsteht aufgrund meiner seelischen Disposition und den erlebten Ereignissen von allein. Ablenkung hilft auf dieser Ebene nicht, sondern ist kontraproduktiv. Wenn ich z. B. in Trauer bin, weil ein für mich wichtiger Mensch gestorben ist, so hilft mir ein Glas Wein oder ein lustiger Abend nichts. Ich muss mich der Trauer hinwenden und sie durchleben, damit sie heilt und vergeht. Dies bedeutet aber nicht, dass ich ein gutes Glas Wein nicht angenehm empfinde. Das Angenehme ist wahrnehmbar, aber es berührt die Ebene der Trauer nicht. Hierbei zeigt sich ein wichtiger Grundsatz: Die Ebenen der Gefühle sind semipermea- bel. Sie sind nur auf dem Weg von innen nach außen durchlässig. Nicht aber anders herum. Das heißt in unserem Beispiel, dass die Trauer auf die sinnliche Ebene der Gefühle wirkt, nicht aber die sinnliche Ebene auf die Trauer. Auch wenn ich das Glas Wein genieße, bin ich immer noch in Trauer. Umgekehrt färbt die Trauer auf den Genuss des Glases Weins ab. Dies gilt ebenso für die positiven Gefühle auf der Ebene der Ich-Gefühle. Wenn ich verliebt bin, strahlt das auf alles aus und selbst der langweilige Wein schmeckt mir auf einmal ganz gut. Alles nun, was wir im Wesentlichen an Positivem und Negativem in unserer seelisch-emotionalen Entwicklung erlebt haben, hat in dieser Ebene stattgefunden. Wenn wir unser Leben ordnen und glücklich leben wollen, so müssen alle Verletzungen auch auf dieser Ebene oder auf einer tieferen Ebene gelöst werden. Dies auf einer der äußeren Ebenen zu lösen ist schlicht und ergreifend nicht möglich. Bin ich z. B. als Kind schwer misshandelt worden, so kann ich schon versuchen, als Erwachsener nicht mehr daran zu denken und mein Leben durch in- tensive Erlebnisse auf der Ebene der sinnlichen Gefühle zu leben indem ich mich ständig um angenehme Gefühle bemühe. Faktisch machen das auch viele und es ist so gesehen ganz normal. Trotzdem ist es nicht möglich durch diese Strategie erfüllt zu leben, denn der Schmerz auf der tieferen Ebene kann auf der äußeren Ebene nicht geheilt werden. Geheilt wird er nur durch die Hinwen- dung und nur diese macht die Versöhnung möglich, wie wir später sehr differenziert sehen werden.
Die letzte und tiefste Ebene unserer Gefühlswelt nennt Scheler die geistigen Gefühle. Sie beziehen sich auf das Grundlegendste unserer Existenz und sie gehen über un- sere Individualität hinaus. Hier berühren wir den wah- ren Kern unseres Seins, die tiefe Bedeutung der Mensch- lichkeit, die wir alle in uns tragen. In diesem Punkt würde ich jedoch den Inhalt dieser Ebene abweichend zu Scheler anders bestimmen. Auf dieser Ebene gibt es nämlich keine negativen Gefühle mehr. Sie ist bestimmt von reiner Positivität. Dies ist gleichbedeutend mit der reinen Wirklichkeit. Im Materiellen gibt es keine reine Wirklichkeit, sondern Wechselwirkungen. Alles, was auf etwas wirkt, erfährt auch eine Gegenwirkung. Wenn ich etwa einen Tisch verschieben möchte, setzt er mir seine Schwere und die Reibung als Widerstand entgegen und ich spüre das auch durch den Druck an meinen Händen. Die reine Wirklichkeit ist aber diejenige Wirklichkeit, die ausschließlich wirkt, ohne dass sie selbst eine Gegenwirkung erfährt. Das ist nur im Geistigen der Fall. Damit dies nicht zu abstrakt klingt, möchte ich es an ei- nem Beispiel verdeutlichen. Wenn ich einen bestimmten Gedanken fasse, der mich zum Handeln motiviert, so kann dies in meinem Leben eine große Rolle spielen. Ich kann mir z. B. zum Ziel setzen, ein guter Vater zu sein, Karriere zu machen oder die Welt zu bereisen. Dieser Gedanke hat dann auf mein Leben einen großen Einfluss und er bewirkt viele Veränderungen in mei- nem Leben. Umgekehrt hat aber mein Handeln keinen Einfluss auf den Gedanken. Er bleibt derselbe, egal wie ich handle. Jemand anderes kann denselben Gedanken fassen und sich von ihm motivieren lassen und auch dies verändert den Gedanken nicht. Das ist die Ebene des Geistes und des Gedankens – genauer müsste man sagen: derjenigen Gedanken, die wahr sind. Denn in der inner- sten Ebene unseres Gefühlslebens haben nur die Wahr- heit und die Liebe Platz. Tiefer geht es nicht mehr. Hier haben wir den Kern erreicht.
Ob wir glücklich und erfüllt leben oder nicht, hängt demnach wesentlich davon ab, ob es uns gelingt, nahe an unserem Kern zu sein und diesem gemäß zu leben.
Glück ist also keineswegs eine Aneinanderreihung angenehmer Erlebnisse. Genauso wenig wäre Unglück eineAneinanderreihungvonunangenehmenErlebnissen. Ersteres ist schlicht angenehm, Zweiteres unangenehm. Nicht mehr und nicht weniger. Weder können wir durch angenehme Erlebnisse glücklich, noch durch unangeneh- me Erlebnisse unglücklich werden. Subjektiv kann ich zwar der Meinung sein, dass mein Leben gescheitert ist, weil mir mein Handy auf dem Boden oder mein Auto am Baum zerschellt ist, aber das beweist nur, wie weit diese Person von der Wahrheit und von sich selbst entfernt ist. Dies bedeutet auch, dass die auf maximales Wachstum ausgerichtete Konsumgesellschaft nicht auf das Glück bezogen ist. Produziert werden Gegenstände oder Erleb- nisse, die ich kaufen kann. Dies kann sich aber nur auf der Ebene des Angenehmen oder Unangenehmen ab- spielen. Nur die Gefühle des Angenehmen und Unange- nehmen lassen sich ja produzieren. Glück ist aber nicht herstellbar. Dementsprechend hat derjenige, der sich um das Glück bemüht nur ein relatives Interesse an Gegen- ständen. Wenn man das Kaufen, das nicht dem Über- leben dient, als eine Ersatzhandlung ansieht, welche den Mangel an Glück im Inneren ersetzen soll, dann kann man sagen, dass die Kauflust in dem Maße abnimmt, indem mein Inneres erfüllt ist. Es gibt dann Wichtigeres für mich, als Produkte, die angenehm sind. Eine glück- liche Gesellschaft kann keine Konsumgesellschaft sein. Daraus folgt, dass die Treiber einer Konsumgesellschaft kein Interesse an einer glücklichen Gesellschaft haben. Im Umkehrschluss bedeutet dies übrigens nicht, dass Konsumverzicht und -verweigerung in irgendeiner Wei- se zum Glück führen. Denn dann wäre das Glück ja wie- der in Relation zu einem Außen gedacht. Glück kann aber grundsätzlich nicht von außen verursacht werden. Denn entscheidend ist ja gar nicht das Äußere, sondern wie ich es selbst in mein eigenes Innen versenke und er- lebe. Ein und dieselbe Sache kann ja ganz anders erlebt und begriffen werden. Was für den einen schrecklich ist, kann der andere gelassen aufnehmen. Dazu braucht es aber eine innere Stabilität, um von dem Auf und Ab des Lebens nicht aus der Bahn geworfen zu werden. Innere Stabilität bedeutet aber Nähe zum eigenen Kern und zu meinem wahren Selbst. Die Nähe zur metaphysischen Dimension meines Menschseins ist es, die mir Halt gibt und es mir erlaubt, von innen heraus erfüllt zu leben. Die äußeren Umstände können als angenehm oder un- angenehm angesehen werden. Ich brauche mich ihnen nicht zu verweigern, denn das Angenehme ist ja per se angenehmer als das Unangenehme. Aber ich brauche auf dieser Ebene auch keine Relation zum Glück suchen.

Leseprobe aus "das schöne Kind"

Das schöne Kind entkommt dem Sog in den Abgrund

Bei all den Träumen, die das schöne Kind durchlebte, war ihm einer wie ein Schlüssel zu seinem ihm eigenen Lebensweg. Denn es erfuhr durch diesen, wie es der Last der früheren Generationen ledig und für sein eigenes Schicksal frei werden konnte. Der Traum war so intensiv und dunkel, dass es dem schönen Kind schien, es sei in dieser einen Nacht des Träumens um ein volles Jahr gealtert. Gleichzeitig ging es aber in dieser Nacht über eine bis dahin unüberschreitbare Schwelle und wurde dadurch reif für sein eigenes Leben. Rückblickend hatte das schöne Kind den Eindruck, die Schwelle des Erwachsenseins überschritten zu haben, und es wurde ihm klar, dass dies nicht allein eine Frage des Alters, sondern vielmehr der inneren Haltung war.

In diesem besagten Traum fand sich das schöne Kind in einer Landschaft vor, die von einer unfassbaren Dunkelheit und Stille durchtränkt war. Niemals hätte es sich vorstellen können, dass es eine derartige Stille geben könnte. Die Stille war so intensiv, dass das schöne Kind den Eindruck hatte, sie hören zu können. Es war dunkel um es herum, aber es glaubte im Mondlicht die Silhouette eines Mannes zu erkennen, der am Ufer eines wellenlosen Sees saß und auf dessen glatte Oberfläche blickte. Der Mann war gebrochen und obwohl das schöne Kind keine Einzelheiten erkennen konnte, ging von ihm doch eine gewisse Vertrautheit aus. Wie gebannt saß der alte Mann am Ufer und starrte auf den See, so als ob sich etwas unter der Oberfläche befände, das ihn zu sich in die Tiefe rief. Schon auf den ersten Blick war dem schönen Kind klar, dass der See unendlich tief sein musste. Der alte Mann bemerkte das schöne Kind nicht. Selbst dann nicht, als dieses, jedes Geräusch zu vermeiden versuchend, vorsichtig neben ihn trat. Je näher das schöne Kind an das Ufer trat, umso mehr bannte auch es selbst das Unsichtbare, das tief im See zu schlummern schien. Es setzte sich neben den alten Mann und begann gleich diesem dem stimmlosen Ruf zu lauschen, bis es meinte, diesen auch selbst vernehmen zu können. Es ging eine unwiderstehliche, unheilvolle Süße von ihm aus und er war voll Sendung und voll Schicksal.
So saßen beide eine Weile Seite an Seite und blickten auf das Dunkle der Tiefe des Sees und das Dunkle blickte sie an. Nur schwer konnte das schöne Kind seinen Blick von dem Wasser abwenden und auf den Mann neben ihn richten, und es sah, dass er gebrochen war. »Was starrst du auf den See? Was ist es, was unter der Oberfläche wohnt und deinen Blick bannt?«, fragte es ihn völlig unvermittelt.
»Ich kann nichts sehen«, antwortete der Mann. »Es ist zu dunkel. Aber ich höre einen Ruf aus der Tiefe.«
»Wer ruft denn da?«, fragte das schöne Kind weiter.
»Das weiß ich nicht, aber ich weiß, dass der Ruf mir gilt.
Etwas ruft mich zu sich in die Tiefe und ich muss dem Ruf folgen. Es ist ein alter Ruf und ich höre ihn schon seit Generationen.« Die Worte des Mannes waren so kraftlos und leer gesprochen, als hätte die zersetzende Stille um sie herum ihm alle Lebenskraft genommen.
»Aber wieso gehst du dann nicht ins Wasser, sondern bleibst hier am Ufer sitzen?«, fragte das schöne Kind etwas verlegen.
»Weil ich mich nicht bewegen kann. Ich bin wie gelähmt und kann hier nur sitzen, lauschen und warten, bis ich dem Ruf folgen kann.«
Das schöne Kind brauchte nur auf die Mimik des Mannes zu blicken, um zu erkennen, dass er Recht hatte. Dennoch fragte es weiter: »Was erwartet dich denn da unten am Grund des Sees?«
»Das interessiert mich nicht. Ich höre nur den Ruf und will ihm folgen.«
Das schöne Kind war verwirrt und verwundert. Es sah das Profil des Alten lange an und versuchte in der Dunkelheit die Gesichtszüge genauer zu erkennen. Eine seltsame Vertrautheit ging von diesem Mann aus und sein Schicksal rührte das schöne Kind an. Für einen Moment schien der Mond das Gesicht des Mannes etwas heller zu bescheinen und das schöne Kind meinte, den Mann erkennen zu können. Dies machte es nun vollends betroffen. »Ich kenne dich«, flüsterte es. »Bist du es nicht, Papa?«, fragte es sanft. Doch der Mann war wieder ganz in sich versunken, blickte gebannt auf den See und gab keine Antwort. Auch das schöne Kind blickte wieder auf die glatte Oberfläche des Wassers und lauschte nun noch angestrengter auf den Ruf. Es wollte hören, was sein Vater zu hören vermeinte, und es wollte sein Schicksal teilen. Sein Vater schien ihm so verloren und verlassen zu sein, dass es ihm beistehen wollte.
»Papa« , sagte es, »ich möchte bei dir bleiben. Ich möchte neben dir sitzen und mit dir lauschen. Vielleicht kann ich den Ruf dann auch vernehmen und wir können gemeinsam auf den Grund des Sees gehen. Und wenn du es nicht kannst, tue ich es für dich.«
Als das schöne Kind das sagte, erwachte der alte Mann aus seiner Versenkung und blickte es unumwunden an. Er sah dem schönen Kind in die Augen und schien es jetzt erst voll zu bemerken und er erkannte sein Kind in ihm. Er staunte darüber, dass er Vater war, ein Kind hatte, dass dieses an seiner Seite saß und dass er es bislang überhaupt noch nicht wahrgenommen hatte. Seine Augen füllten sich mit Tränen der Rührung und Dankbarkeit. Behutsam streckte er seine Hand aus und strich dem schönen Kind sanft über den Kopf. Dann sagte er:
»Nein! Nein, du darfst hier nicht bleiben! Dies ist mein See und der Ruf gilt nur mir. Mit dir hat er nichts zu tun. Mich bannt der Ruf hier im Dunklen. Dein Platz aber ist im Licht. Geh deines Weges und lebe! Mir ist es nicht möglich, dem Bann zu entkommen. Es ist zu spät. Aber du, mein Kind, sollst leben. Folge mir nicht nach!«
Darauf weinte das schöne Kind und fiel seinem Vater um den Hals. Es schluchzte lange an der Schulter seines Vaters und sagte schließlich: »Aber Papa, ich will dich nicht verlassen. Ich will nicht, dass du hier allein im Dunklen bist. Bitte lass mich bei dir bleiben!«
Da nahm der alte Mann das Gesicht des schönen Kindes in beide Hände und blickte ihm fest und entschlossen in die Augen. »Nein! Dies ist mein Ruf und mein Schicksal, welches niemand zu erfüllen hat, außer mir. Geh jetzt deines Weges und lebe du! Sei gesegnet, mein liebes Kind!«
Mit den letzten Worten hob er das schöne Kind etwas an, so dass es wieder auf seinen Beinen stand, und schob es etwas von sich fort. Kaum war das Kind zwei Schritte zurückgetreten, verfiel er wieder in seinen Bann und lauschte mit stierem Blick in die Tiefe des lautlosen Sees. Das schöne Kind wollte noch einmal das Wort an seinen Vater richten, sah aber, dass dieser es nicht mehr hören würde. Es trat langsam zurück, den Blick auf seinen Vater gerichtet. Schließlich wendete es sich langsam um und ging auf den hellen Ausgang zu, der sich jetzt vor ihm auftat.
Ehe es aber die Dunkelheit und die unheimliche Stille des Sees verließ, wendete es sich noch einmal zu seinem Vater um und sprach diesem leise zu. »Papa! Mein Papa!« Die Worte waren so leise, dass sie der alte Mann unmöglich hören konnte, aber das schöne Kind wusste, dass sie sein Vater in seiner Seele vernehmen würde. »Mein Papa«, sagte das Kind, »bitte schau freundlich auf mich, wenn ich mein eigenes Leben lebe!«
Dann trat das schöne Kind hinaus aus der Dunkelheit, verließ die Stille und betrat sein eigenes Leben, welches hell und erfüllt von schönen Melodien war. Als das schöne Kind aber die Dunkelheit verlassen hatte, hellten sich die Gesichtszüge seines Vaters für einen Moment auf und man konnte fast den Eindruck gewinnen, ein leichtes Lächeln umspielte seinen Mund.